Gefühle können besonders belastend wirken, wenn sie diffus bleiben und wir nur spüren, dass „etwas nicht stimmt“. Das bewusste Benennen eines Gefühls kann helfen, das innere Erleben klarer zu ordnen und etwas Abstand dazu zu gewinnen. Dabei geht es nicht darum, ein Gefühl durch ein Etikett verschwinden zu lassen, sondern es zunächst genauer wahrzunehmen. Diese Klarheit erleichtert es, zwischen dem Gefühl selbst und der eigenen Reaktion darauf zu unterscheiden. Wer besser erkennt, was gerade in ihm vorgeht, gewinnt damit auch mehr Spielraum für einen bewussten Umgang mit Belastungen. Welches Gefühl ist gerade tatsächlich da – möglichst genau benannt?
So geht’s
Halte für einen Moment inne und frage dich: „Was fühle ich gerade?“ Suche nach einem möglichst passenden Begriff – zum Beispiel nicht nur „schlecht“, sondern eher enttäuscht, angespannt, unsicher, traurig oder gereizt. Formuliere anschließend einen einfachen Satz wie: „Ich bemerke gerade Unsicherheit.“ Lass das Gefühl einen Moment so stehen, ohne es sofort erklären oder verändern zu müssen.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Das bewusste Benennen eigener Gefühle wird als „Affect Labeling“ direkt untersucht. Studien zeigen, dass es die emotionale Verarbeitung verändern kann; die Wirkung hängt jedoch unter anderem von Situation und Intensität des Erlebens ab, und die zugrunde liegenden Mechanismen sind nicht abschließend geklärt. Die Gefühlsbenennung nutzt dieses Prinzip in einer einfachen Alltagsform.
Quelle
Levy-Gigi & Shamay-Tsoory 2022; Ariely et al. 2026.
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