Gerade unter Belastung sprechen wir mit uns selbst oft härter, als wir mit anderen Menschen umgehen würden. Selbstmitgefühl bedeutet, das eigene Erleben ernst zu nehmen und sich auch bei Fehlern, Unsicherheit oder schwierigen Gefühlen mit Verständnis statt zusätzlicher Selbstabwertung zu begegnen. Das ist weder Selbstmitleid noch Schönreden: Schwierigkeiten bleiben schwierig, aber wir müssen sie nicht durch einen inneren Angriff auf uns selbst noch vergrößern. Eine unterstützende innere Haltung kann helfen, mit Belastungen konstruktiver umzugehen und nach Rückschlägen wieder handlungsfähig zu werden. Oft wird erst im Vergleich sichtbar, wie viel strenger unsere Maßstäbe für uns selbst sind. Was würdest du einem Menschen sagen, den du magst, wenn er gerade genau dasselbe erleben würde wie du?
So geht’s
Denke an etwas, das dich gerade belastet, und achte kurz darauf, wie du innerlich mit dir darüber sprichst. Stell dir dann vor, eine dir nahestehende Person würde dir genau dieselbe Situation schildern. Formuliere einen Satz, den du ihr ehrlich, verständnisvoll und ohne Beschönigung sagen würdest. Richte diesen Satz anschließend bewusst an dich selbst und beobachte, ob sich dein innerer Ton verändert.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Selbstmitgefühl bedeutet, sich bei Belastungen, Fehlern und Unsicherheit verständnisvoll statt zusätzlich abwertend zu begegnen. Eine Meta-Analyse randomisierter Studien fand kleine bis mittlere Effekte von Selbstmitgefühlsinterventionen auf Stress, Angst und depressive Beschwerden, bei zugleich relevantem Verzerrungsrisiko in der Studienlage. Die freundliche Stimme greift diesen Ansatz in einer kurzen eigenen Übung auf.
Quelle
Han & Kim 2023, Meta-Analyse von 56 RCTs.
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