Denken

Wenn wir gestresst oder verunsichert sind, vermischen sich Beobachtungen und Interpretationen besonders leicht. Aus „Die Person hat noch nicht geantwortet“ wird dann vielleicht „Sie ist enttäuscht von mir“ oder sogar „Ich habe etwas falsch gemacht“. Der Faktenfilter trennt das, was tatsächlich bekannt ist, von Annahmen, Bewertungen und Befürchtungen. Diese Unterscheidung kann helfen, vorschnelle Schlussfolgerungen zu erkennen und eine Situation realistischer einzuschätzen. Resilientes Denken bedeutet dabei nicht, alles positiv zu sehen, sondern die eigene Bewertung immer wieder an der Wirklichkeit zu prüfen. Welche Annahme behandelst du gerade vielleicht schon wie einen bewiesenen Fakt?

So geht’s

Schreibe einen belastenden Gedanken auf und teile ihn anschließend in zwei Spalten: Was weiß ich sicher? und Was vermute oder bewerte ich? Formuliere nur beobachtbare Tatsachen in die erste Spalte. Lies danach beide Seiten noch einmal und frage dich, welche Schlussfolgerungen wirklich durch Fakten gestützt werden und welche noch offen sind.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Prüfen eigener Bewertungen anhand tatsächlich verfügbarer Informationen gehört zum Kern kognitiver Umstrukturierung. Meta-analytische Forschung stützt kognitive Umstrukturierung als relevanten Veränderungsprozess, auch wenn die direkte Prozessforschung kleiner ist als die Forschung zu vollständigen Therapieprogrammen. Der Faktenfilter überträgt dieses Prinzip auf die einfache Trennung von Beobachtung und Interpretation.

Quelle

Ezawa & Hollon 2023, Meta-Analyse.

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