Wenn wir von einer Befürchtung oder negativen Einschätzung überzeugt sind, achten wir besonders leicht auf Informationen, die dazu passen. Hinweise, die unserer Einschätzung widersprechen, geraten dagegen schnell aus dem Blick. Die Gegenbeweis-Frage erweitert deshalb bewusst die Beweislage: Sie fragt nicht nach positivem Denken, sondern nach Informationen, die unsere bisherige Schlussfolgerung möglicherweise relativieren. Das kann helfen, sehr feste Überzeugungen wieder als überprüfbare Einschätzungen zu betrachten. Resilientes Denken braucht nicht immer mehr Optimismus, sondern häufig ein vollständigeres Bild. Welche Information würde gegen das sprechen, wovon du gerade besonders überzeugt bist?
So geht’s
Schreibe einen belastenden Gedanken als konkrete Behauptung auf, zum Beispiel: „Ich bekomme das nie hin.“ Frage dich anschließend: „Welche Erfahrungen oder Beobachtungen passen nicht vollständig zu dieser Aussage?“ Sammle mindestens zwei Gegenbeispiele, ohne dabei die Argumente für deine ursprüngliche Einschätzung zu verdrängen. Formuliere danach eine Aussage, die beide Seiten realistischer berücksichtigt.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Beim Prüfen von Überzeugungen ist nicht nur relevant, welche Informationen vorliegen, sondern auch, welche Evidenz gesucht und berücksichtigt wird. Das bewusste Prüfen widersprechender Informationen gehört zugleich zu den Grundprinzipien kognitiver Umstrukturierung. Die Gegenbeweis-Frage übersetzt diese Forschung in eine kurze Alltagsprüfung, ohne die ursprüngliche Einschätzung einfach durch positives Denken zu ersetzen.
Quelle
Sommer et al. 2024; Ezawa & Hollon 2023.
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