Neue Herausforderungen erzeugen leicht Leistungsdruck, weil wir uns fragen, ob wir erfolgreich sein oder scheitern werden. Eine Lernorientierung verschiebt den Fokus: Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern auch das, was wir aus der Erfahrung erfahren können. Wer eine Handlung als Experiment betrachtet, muss nicht schon vorher wissen, ob sie funktioniert, sondern darf eine begründete Annahme ausprobieren und anschließend beobachten, was tatsächlich passiert. Diese Haltung kann den Bewertungsdruck reduzieren und unterstützt die Fähigkeit, das eigene Vorgehen an neue Erfahrungen anzupassen. Lernen entsteht dabei allerdings nicht automatisch – es braucht einen kurzen Blick zurück auf Erwartung und Ergebnis. Welche Situation würdest du anders angehen, wenn du sie weniger als Prüfung und mehr als Gelegenheit zum Lernen betrachten würdest?
So geht’s
Wähle heute eine kleine Situation, in der du normalerweise zögerst, und formuliere vorher eine einfache Erwartung: „Ich vermute, dass …“ Probiere anschließend aus, was passiert, und frage dich danach: Was hatte ich erwartet? Was ist tatsächlich passiert? Was würde ich beim nächsten Mal beibehalten oder verändern? Bewerte das Ergebnis nicht nur als Erfolg oder Misserfolg, sondern als Information für deinen nächsten Versuch.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Verhaltensexperimente sind ein etablierter Bestandteil kognitiver Therapieverfahren: Eine Erwartung wird durch konkrete Erfahrung geprüft und anschließend anhand des tatsächlichen Ergebnisses neu bewertet. Auch einzelne experimentelle Studien zeigen, dass Verhaltensexperimente Überzeugungen verändern können. „Handeln als Experiment“ überträgt diese Grundstruktur auf kleine Alltagssituationen.
Quelle
McManus, Van Doorn & Yiend 2012, RCT.
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