Sinn & Orientierung

Viele Entscheidungen werden nicht nur von unseren eigenen Vorstellungen geprägt, sondern auch von Erwartungen, die wir im Laufe des Lebens übernommen haben. Aus solchen Erwartungen entstehen leicht innere Sätze wie „Ich sollte …“, „Man muss …“ oder „Das gehört sich so“, ohne dass wir noch prüfen, ob sie tatsächlich zu uns passen. Psychologisch macht es einen Unterschied, ob wir ein Ziel vor allem aus äußerem Druck verfolgen oder weil wir seinen Wert selbst bejahen können. Innere Orientierung bedeutet deshalb nicht, Erwartungen anderer grundsätzlich abzulehnen, sondern sie bewusst mit den eigenen Werten und Überzeugungen abzugleichen. So entsteht mehr Klarheit darüber, wofür wir Verantwortung übernehmen wollen – und wofür nicht. Welches „Ich sollte“ möchtest du einmal an deinem eigenen Maßstab überprüfen?

So geht’s

Nimm einen Satz, der bei dir häufig mit „Ich sollte …“ beginnt, und schreibe ihn auf. Frage dich anschließend: „Will ich das selbst? Ist es mir persönlich wichtig? Oder erfülle ich damit vor allem eine Erwartung?“ Wenn du dich bewusst dafür entscheidest, formuliere den Satz neu: „Ich entscheide mich dafür, weil …“ Wenn nicht, prüfe, ob du diese Erwartung verändern, begrenzen oder loslassen möchtest.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Self-Determination Theory unterscheidet unter anderem stärker autonome Motivation von Motivation, die vor allem durch äußeren oder inneren Druck gesteuert wird. Meta-analytische Interventionsforschung stützt die Bedeutung autonomer Motivation für verschiedene Verhaltensbereiche. Der eigene Maßstab übersetzt diese Forschung in die einfache Frage, ob eine Erwartung persönlich bejaht wird oder überwiegend als „Ich sollte“ erlebt wird.

Quelle

Chin et al. (2024), systematischer Review zu kurzen Embodiment- und Aufmerksamkeitsinterventionen.

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